Roboterarm gießt Pflanzen in einer Gärtnerei und ein Mitarbeiter überprüft dies mit einem Tablet.

Auch in Gärtnereien hält die Robotik Einzug. Verständlich, wenn man bedenkt, wie personal- und arbeitsintensiv die Pflege der Pflanzen ist. (Bild: stock.adobe.com/sompong_tom)

Willi ist Wasserträger. Anders als seine Kollegen aus dem Profi-Sport radelt er allerdings nicht jeden Sommer auf großen Landesrundfahrten durch Frankreich, Italien oder Spanien, um seinen Teamkollegen in der Mittagshitze Trinkflaschen aus dem Mannschaftsfahrzeug zu holen. Willi ist nachts auf den Friedhöfen in Pforzheim und Hamburg-Rahlstedt unterwegs.

Dort fährt der Gießroboter mit einem 250 Liter fassenden Wassertank auf einer zuvor programmierten Route einzelne Gräber an und gießt diese automatisch. Ist sein Tank leer, kehrt er zu einer Auffüllstation zurück und lädt nach. Bis zu 180 Gräber schafft der von der Firma Innok Robotics in Regenstauf in der Oberpfalz gebaute und unter dem Handelsnamen 'Rainos' vertriebene Blechkerl so in einer Nacht.

Entwickelt wurde er von der Gärtnerei 'Blumen Schwarz' – einem 1902 gegründeten Familienbetrieb im fränkischen Schwabach. Die Gärtnerei wird heute in der vierten Generation von Heino und Annette Schwarz geführt und beschäftigt 25 Mitarbeiter. Sie gaben dem Gießroboter den Spitznamen 'Wasserwilli'.

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Gärtnerei mit 25 Mitarbeitern entwickelt preisgekrönten Gießroboter

Rainos alias Wasserwilli ist einer von zwei  Robotern der Schwabacher Gärtnerei. Auch ein Pikierroboter ist dort im Einsatz. Wie dieser erledigt auch der Gießroboter zeitaufwändige und damit teure Aufgaben. „Per Hand ist es uns nur möglich, selbst wenn es sehr heiß ist, bis zu drei Mal pro Woche zu gießen. Mehr wäre einfach unbezahlbar“, erklärt Heino Schwarz. Der Wasserwilli dagegen könne fünf bis sieben Mal pro Woche seinen Dienst verrichten, ohne dass dadurch die Preise für die Grabpflege steigen.

Das wird im Zuge des Klimawandels künftig immer öfter erforderlich sein. Da Willi seinen Dienst nachts verrichtet, benötigt er durch die dann geringere Verdunstung zudem weniger Wasser, als ein Mensch, der tagsüber gießt. Auch dadurch bleiben die Kosten für die Grabpflege überschaubar und die Schwabacher Gärtnerei wettbewerbsfähig.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft haben diese Vorteile überzeugt. Es zeichnete Blumen Schwarz und Innok Robotics 2020 für den Gießroboter mit dem Innovationspreis Gartenbau aus.

Roboter erledigen in Gärtnereien zeitaufwändige und teure Routineaufgaben

Willis Geschichte zeigt: Roboter sind bei weitem nicht nur etwas für Gärtnereien, die Millionen-Beträge in Automatisierungstechnik investieren können, um mit dieser vollautonome Indoor-Farmen im industriellen Maßstab zu errichten. Das Beispiel belegt auch, wie hilfreich Roboter für kleinere Schnittblumen-, Friedhofs- oder Stauden-Gärtnereien immer dann sind, wenn etwa Aufzuchtgefäße mit Erde zu füllen, Pflanzen zu pikieren, zu düngen oder zu wässern sind. Denn diese Arbeiten fallen in den Betrieben tausendfach an und beanspruchen dadurch sehr viel Zeit. Sie sind zudem oft körperlich anstrengend und sehr langweilig.

Durch gesetzliche Vorgaben wie den Mindestlohn finden Gärtnereien aber kaum mehr Mitarbeiter, die diese Aufgaben zu bezahlbaren Kosten erledigen. Zugleich steigen die Fixkosten für Strom und Heizung kontinuierlich. Torf und andere Pflanzsubstrate kosteten 2021 zudem teils 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wollen kleine Gärtnereien in dieser Situation mit der Konkurrenz aus den Niederlanden und Asien mithalten, müssen sie ihre Produktivität steigern.

In mehr als jeder zehnten Gärtnerei arbeitet ein Roboter

Dabei unterstützen Roboter inzwischen elf Prozent aller Gewächshausgärtnereien, fand das Marktforschungsunternehmen AgriDirect in der Umfrage 'Greenhouse Horticulture Update' heraus. An ihr nahmen gut 1400 Betriebe teil. Jedes vierte von ihnen eingesetzte Gerät ist ein Sprühroboter, der Pestizide oder Flüssigdünger ausbringt, 22 Prozent der Blechkameraden pikieren, stecken, und beschneiden Pflanzen oder helfen bei der Ernte, knapp zwölf Prozent verpacken Schnittblumen, Gemüse und andere Ware.

Roboter rücken und sortieren auch Topfpflanzen. Das kostet Gärtner mehrmals im Jahr viel Zeit und Kraft – etwa wenn sie Pflanzen vom Winterquartier ins Freie und im Herbst wieder zurück in das Gewächshaus bringen müssen. Ihre Arbeitskraft fehlt dann zudem an anderer Stelle. Roboter dagegen erledigen beim Rücken noch weitere Arbeiten. Während sie die Pflanzen aufgeladen haben, versorgen sie sie beispielsweise zugleich mit Dünger.

Roboter schneidet und setzt Stecklinge besser als der Mensch

Roboter verrichten in Gärtnereien allerdings auch anspruchsvolle Aufgaben. So hat das Bremer Startup Robotec einen Roboter für die Stecklingsvermehrung von Planzen entwickelt. Der Hightech-Gärtner entnimmt die Mutterpflanze mit einem ersten Roboterarm aus ihrem Gefäß und untersucht sie mit einer 3D-Kamera. Mit Hilfe einer Bilderkennungssoftware und Künstlicher Intelligenz stellt der Roboter fest, entlang welcher Linie er den Steckling abschneiden kann. Das ist eine knifflige Entscheidung. Denn die Wachstumslinie, entlang der geschnitten werden muss, ist bei jeder Pflanze anders.

In einer zweiten Kammer schneidet ein weiterer Roboterarm das Material dann mit einem Präzisionslaser ab. Da dabei anders als mit einem Skalpell eine absolut saubere Schnittkante entsteht und der Steckling nicht gequetscht wird, wächst er besser an, sobald der Roboter ihn mit einem dritten Arm ergriffen und in idealer Position in ein  Aufzuchtgefäß gepflanzt hat.

Roboter leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz

Sämtliche Arbeitsschritte erledigt die Maschine in nur sechs Sekunden. Menschen brauchen dazu erheblich länger. Deshalb fliegen Händler viele durch Stecklinge vermehrte Jungpflanzen aus Niedriglohnländern ein. Dies schadet anders als eine Vermehrung der Pflanzen mit Hilfe des Robotec-Roboters dem Klima. Der Bremer Senat hielt die Neuentwicklung daher für so wegweisend, dass er sie 2021 mit dem Gründerpreis der Hansestadt auszeichnete. Roboter in Gärtnereien sind schließlich nicht nur Wasserträger.

 

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