Jugendliche können mit unterschiedlichen Dingen für eine Ausbildung im Handwerk begeistert werden: ein Smartphone-Vertrag gehört genauso dazu wie ein Roboter im Betrieb.

Jugendliche können mit unterschiedlichen Dingen für eine Ausbildung im Handwerk begeistert werden: ein Smartphone-Vertrag und gute Aufstiegsmöglichkeiten gehören genauso dazu wie ein Roboter im Handwerksbetrieb. - Bild: Adobe Stock/Pixel-Shot

| von Susanne Nördinger
Aktualisiert am: 03. Jun. 2020

Sie haben freie Ausbildungsplätze anzubieten? Doch beim Gedanken an die bevorstehende Azubi-Suche wird Ihnen schlecht? Das muss nicht sein. Mit diesen sechs Tipps verbessern Sie das Image von Handwerkern oder kleinen Ausbildungsbetrieben und machen so ihr Unternehmen und das Handwerk für junge Leute attraktiv.

1. Ihr aktueller Lehrling ist ihr bester Botschafter

Im Idealfall starten Sie mit der Lehrlingssuche, so lange noch ein anderer Azubi in ihrem Betrieb arbeitet. Denn einen besseren Botschafter für Sie als Ausbildungsbetrieb gibt es nicht.

Schicken Sie ihren Azubi in Schulen und auf Ausbildungsmessen in der Region. Er kann anderen Jugendlichen aus erster Hand erzählen, warum er sich für einen Ausbildungsplatz im Handwerk entschieden hat, was eine handwerkliche Tätigkeit ausmacht und welche Aufgaben Lehrlinge in ihrem Betrieb erwarten.

Gleichzeitig können Sie ihren Azubi aber auch als Influencer in Sachen Handwerk auf sozialen Medien einsetzen. Fragen Sie ihn am besten selbst, auf welchem Kanal sich seine Altersgruppe im Moment am meisten austauscht. Das kann TikTok genauso sein wie Instagram. Und bitten Sie ihn anschließend, dort eine Azubi-Seite ins Leben zu rufen.

Sie können sich dazu entweder mit Handwerksbetrieben aus der Umgebung zusammenschließen, um übergreifend zu werben oder das Ganze erstmal alleine angehen. Ihrem Lehrling wird es mit Sicherheit Spaß machen, Bilder aus der Arbeit zu posten – und das mit Zustimmung des Chefs. Und er weiß bestimmt genau, was dort gesucht wird und gefragt ist.

Grundlage dafür ist jedoch, dass Sie auch eine attraktive Ausbildung anbieten. Denken Sie also zunächst darüber nach, welche Aufgaben Sie den Auszubildenden im Moment überlassen. Motivierend ist es zum Beispiel, wenn ein Lehrling zwischendurch kleinere Projektarbeiten selbstständig zu Ende bringen kann und nicht den lieben langen Tag Hilfsarbeiten erledigen muss. Das oben beschriebene Social-Media-Projekt kann da genutzt werden. Denn die Mund-zu-Mund-Empfehlung funktioniert nur, wenn ihr Azubi von ihrem kleinen Unternehmen ehrlich überzeugt ist. Ansonsten kann das Ganze auch nach hinten losgehen.

2. Kaufen Sie sich einen Roboter

Bitte nicht falsch verstehen. Es geht nicht darum, den Azubi durch einen Roboter zu ersetzen. Es heißt weiterhin Lehrling gesucht. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einen Roboter in ihre Werkstatt zu integrieren? Dazu benötigen Sie weitere Informationen? Welche Arbeiten Ihnen ein Roboter konkret abnehmen kann, lesen Sie in diesem Beitrag.

Aber was hat der Roboter nun mit dem Azubi-Recruiting zu tun? Ganz einfach: Junge Menschen hören in der Schule, Sie sollen sich mit Digitalisierung und Robotik beschäftigen. Denn das hat Zukunft. Wenn Sie nun Robotik-Projekte in ihrem Handwerksbetrieb anzubieten haben, macht das technisch interessierte Schüler und Schülerinnen mit Sicherheit neugierig, die eine Ausbildungsstelle im Handwerk noch gar nicht in Betracht gezogen hatten.

Der Roboter kann Ihnen also nicht nur dabei helfen, die Effizienz in ihrem Betrieb zu erhöhen. Er bringt sie auch bei jungen Menschen ins Gespräch. Um die Message zu verbreiten, können Sie gleich ihren aktuellen Lehrling als Influencer nutzen (Tipp 1).

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Bild: Adobe Stock/Val Thoermer

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3. Nachhilfeprogramme als Einstiegshilfe

Handwerklich begabte Jugendliche müssen nicht unbedingt die besten Schüler sein und scheuen dadurch vielleicht eine Bewerbung. Azubis für das Handwerk werden jedoch überall gesucht. Es kann viele Ursachen haben, warum ein Kind dem Leistungsdruck in der Schule nicht standhält. Manchmal reicht es aus, einem solchen Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Man sollte ihn jedoch an die Hand nehmen.

Wenn Sie überlegen, zum Beispiel Schulabbrechern eine Chance zu geben, können Sie mit dem Jobcenter der Agentur für Arbeit zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter dort kennen entsprechende Kandidaten – etwa von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen - und können Ihnen für das Handwerk geeignete Bewerber empfehlen.

Auch Berufsschulen sind ein guter Ansprechpartner. Denn für alle Abgängerinnen und Abgänger der Hauptschule ohne Ausbildungsverhältnis und für Schülerinnen und Schüler, die ein 10. Vollzeitjahr ohne Abschluss verlassen haben, besteht Berufsschulpflicht.

Ein wenig Zeit müssen Sie natürlich investieren. Zunächst empfiehlt es sich, einem Jugendlichen ein Praktikum anzubieten. Überlegen Sie sich dabei im Voraus, wie Sie dem jungen Menschen schnell zu einem Erfolgserlebnis verhelfen können. Gerade Schulabbrecher können dadurch regelrecht aufblühen. Denn Erfolg war in ihrem bisherigen Leben meist Mangelware. Es muss nichts Kompliziertes sein. So kann es ausreichen, dass der Praktikant unter Anleitung ein Loch bohren darf oder eine Sägearbeit ausführen kann. Wichtig ist, dass er es schafft, eine kleine praktische Aufgabe zu lösen und dafür Anerkennung erhält.

Passen Sie und der Praktikant zusammen und geben auch ihre anderen Mitarbeiter grünes Licht, ist das Angebot, sich auf einen freien Ausbildungsplatz bei Ihnen zu bewerben, der nächste Schritt. Und hier kommt die Nachhilfe ins Spiel. Damit ihr zukünftiger Zögling keine Angst hat, in der Berufsschule wieder zu versagen, bieten Sie ihm von Anfang an oder sogar im Vorfeld der Ausbildung bezahlte Nachhilfe an.

Video: Robotik in der Tischlerei

Unser Kollege Wolfgang Kräußlich hat für seinen Youtube-Kanal 'Next Robotics' die Tischlerei Eigenstetter in Rehna besucht. Dort ist schon seit acht Jahren ein Roboter im Einsatz.

4. Zusätzlichen Anreiz bieten mit Goodies

Heute reicht es nicht mehr aus, ein ordentliches Lehrlingsgehalt zu bezahlen. Junge Leute wünschen sich Zusatzleistungen. Bei diesen sogenannten Goodies sind ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt – vom kostenfreien Handyvertrag über das Fitnessstudio bis hin zum Firmenwagen.

Das Gute dabei: Mit Goodies können Sie zwei Ziele auf einmal verfolgen. Auf der einen Seite begeistern Sie neue Auszubildende für ihr Handwerksunternehmen, auf der anderen Seite können Sie ihre Lehrlinge während der ganzen Ausbildung motivieren.

Kostenfreie Handyverträge mit nahezu unbegrenztem Datenvolumen gibt es heute schon für 20 bis 30 Euro. Für Sie keine große Investition, für Jugendliche aber ein Anreiz, bei Ihnen einen Ausbildungsberuf im Handwerk zu starten. Und wie wäre es, wenn Sie ihrem Azubi zum Abschluss der Ausbildung ein neues Handy versprechen? Vorausgesetzt, er erzielt einen vorher vereinbarten Notenschnitt.

Sportbegeisterte Jugendliche können Sie stattdessen mit einem Zuschuss fürs Fitnessstudio locken. Ist ihr Betrieb auf dem Land, kann eine Unterstützung zum Führerschein genau das richtige sein. Dieser lässt sich wieder gut mit einer langfristigen Motivation verbinden – indem Sie Azubis zum Beispiel für das letzte halbe Jahr der Ausbildung einen kostenfreien Firmenwagen anbieten.

Neben monetären Anreizen, können Sie aber auch einen jährlichen Ausflug für alle Lehrlinge oder alle Beschäftigten zum Beispiel zur Internationalen Handwerksmesse oder einem anderen spannenden Event in ihrer Nähe anbieten. Ihre Lehrlinge sind bestimmt beeindruckt, wie es um den Wert des deutschen Handwerks im internationalen Vergleich steht und was das Handwerk alles leistet.

Sprechen Sie am besten mit ihren aktuellen Azubis, was sie am meisten motiviert. Sie werden erstaunt sein, wie einfach es ist, einen zusätzlichen Anreiz für einen Ausbildungsplatz in ihrer Firma und somit im Handwerk zu schaffen.

Lehrlinge fürs Handwerk gesucht? Tipps vom ZDH

Beim Zentralverband des deutschen Handwerks hat das Thema Azubi-Recruiting einen hohen Stellenwert. Diese Tipps gibt der Verband Handwerkern an die Hand:

  • Eine wertschätzende und vertrauensvolle Führungskultur trägt zum Gelingen der Ausbildung im Handwerk bei.
  • Stellen Sie den Auszubildenenden einen festen Ansprechpartner zur Verfügung und geben Sie regelmäßig Feedback.
  • Ein moderner Handwerksbetrieb mit digitalen Arbeitsmitteln ist für Lehrlinge attraktiver.
  • Nutzen Sie das Angebot von Handwerkskammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften.

Weitere Infos vom ZDH zum Thema "Azubi gesucht" haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst. Klicken Sie hier!

5. Engagement im Ort zahlt sich aus

Bei der Azubi-Suche kann es helfen, Zeit in ihr Hobby investieren. Denn Engagement wirkt sich grundsätzlich positiv auf das Image ihres Betriebs aus. Vielleicht machen Sie gerne Sport. Dann unterstützen Sie den örtlichen Sportverein und insbesondere die Jugendarbeit dort.

Wenn zum Beispiel ihre Werbung die Trikots von Jugendmannschaften ziert, dann sprechen Sie genau die Altersgruppe an, die Sie von ihrem Betrieb überzeugen wollen. Gleichzeitig haben Sie den direkten Draht zum Trainer der Jugendmannschaft und können sich über die Berufswünsche seiner Schützlinge austauschen. Sucht jemand aus diesem Team gerade ein Praktikum oder eine Lehrstelle im Handwerk, sind Sie sofort im Gespräch.

Denken Sie dabei auch einmal ungewöhnlich. Vielleicht sponsern Sie gezielt die Mädchen-Mannschaft im Handballverein und nicht das Team der Jungs im Fußball oder im Eishockey. Und gleichzeitig laden Sie die Mädels zu einem Schnupper-Tag in ihre Werkstatt ein. So ist frau direkt motiviert für einen Beruf im Handwerk.

Es muss aber nicht immer Sport sein. Sie können sich genauso im örtlichen Karnevals-Verein engagieren. Hier können Sie direkt mit ihrem handwerklichen Können punkten. Indem Sie zum Beispiel als Tischler, Schreiner, Maler oder Metallbauer mithelfen, den Festwagen zu bauen oder zu schmücken. Und auch die Jugendlichen in der Garde freuen sich über einen Sponsor für ihre Kostüme und werden so aufmerksam auf den Handwerksberuf.

Und wenn Ihnen der Schach-Club, der Theaterverein oder der Modellbauverein am Herzen liegen? Dann fördern Sie die Jugendarbeit dort. Und im besten Fall schaufeln Sie sich im selben Zug ein wenig Zeit frei, ihrem Hobby wieder selbst nachzugehen. Obendrein tun Sie etwas Gutes für die Gesellschaft.

Eine Ausbildung im Handwerk ist besonders attraktiv, wenn man Lehrlingen von Anfang an die Option auf die Meisterprüfung bietet.
Eine Ausbildung im Handwerk ist besonders attraktiv, wenn man Lehrlingen von Anfang an eine Option für die Meisterprüfung anbietet. - Bild: Adobe Stock/Lothar Drechsel

6. Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierewege im Handwerk zeigen

Viele Eltern trichtern ihren Kindern jahrelang ein, dass ein Studium heute das Maß aller Dinge ist. Dabei ist nicht jeder junge Erwachsene für das theoretische Lernen an der Universität geeignet.

Um das Image einer Ausbildung im Handwerk gerade bei den Eltern zu steigern, lohnt es sich, von Anfang an Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierewege in diesem Beruf aufzeigen. Damit ist aber nicht nur der Meisterprüfung gemeint.

Heute gibt es zahlreiche andere Wege, sich im Handwerk weiterzubilden. So können Sie Azubis beispielsweise eine sogenannte Aufstiegsfortbildung – zum Beispiel im kaufmännischen Bereich – ermöglichen, wenn die Ausbildung mit einer vorher vereinbarten Note abgeschlossen wird.

Wollen Sie eher Fachabiturienten oder Abiturienten für ihr Handwerksunternehmen gewinnen, können Sie auch ein duales Studium im Bereich Handwerk-BWL anbieten. Das lockt den handwerklich interessierten Kaufmann. In diesem Fall erlernt der Dual-Student in ihrem Betrieb jedoch kein Handwerk. Er erhält bei Ihnen die betriebliche Praxis rund um Wirtschaft und Management. Parallel dazu studiert er Handwerk-BWL und schließt mit einem Bachelor ab.

Wenn Sie Abiturienten lieber eine handwerkliche Ausbildung mitgeben möchten, dann könnte das sogenannte triale Studium etwas für ihr Unternehmen sein. In diesem Fall durchläuft der junge Mensch die reguläre Ausbildung im Handwerk inklusive Berufsschule und Gesellenprüfung und geht anschließend direkt auf die Meisterschule. Gleichzeitig studiert er von Anfang an – meist am Freitagnachmittag und Samstag – Handwerksmanagement an einer kooperierenden Hochschule.

Nach insgesamt fünf Jahren hat ihr Schützling damit drei Abschlüsse auf einmal in der Tasche: die Gesellenprüfung, den Meisterbrief und einen Bachelorabschluss.

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