Cobot und Mann in der Produktion

Mit der Automatisierung wollte Geschäftsführer Christian Veser seine Mitarbeiter entlasten und zugleich die Produktivität steigern. Das ist gelungen. Bild: Universal Robots

Vema ist ein kleiner Automobil- und Sanitär-Zulieferer mit 80 Mitarbeitern aus Krauchenwies-Göggingen. Das Unternehmen ist in der Kunststoffverarbeitung, im Werkzeugbau und im Spritzguss auf Qualität und Präzision ausgerichtet. Und seit einiger Zeit gehören auch Bruno, Elfriede und Günter – drei Roboter-Kollegen – zur Belegschaft.

Christian Veser, Geschäftsführer bei Vema, geht ins Detail: „Nachdem wir bereits einfache Aufgaben automatisiert hatten, haben wir uns 2019 für den Schritt in die Automatisierung komplexerer Abläufe entschieden, um trotz des Fachkräftemangels die Produktivität erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten zu können. Wir waren damals auf der Suche nach einer kosteneffizienten Robotik-Lösung, die wir selbst integrieren und programmieren konnten.“ Konkret ging es nach den Worten Vesers damals in erster Linie darum, die eigenen Mitarbeiter von den oftmals monotonen und anstrengenden Verpackungsaufgaben zu befreien und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern.

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Automatisierung oder die Frage: Was können Cobots?

Gründe genug für den nach IATF 16949 zertifizierten Zulieferer aus dem Ländle, den Markt nach kollaborativen Robotern - kurz: Cobots - zu sondieren. Die wichtigsten Kriterien im Evaluierungsprozess: Die Lösung sollte sich ohne Schutzumhausung einsetzen und flexibel von Maschine zu Maschine bewegen lassen. Darüber hinaus stand eine einfache Bedienbarkeit und Programmierung ganz oben im Pflichtenheft. Hakan Celik, Maschineneinrichter und Roboter-Programmierer bei Vema sowie Mitinitiator der Automatisierungs-Offensive, begründet die Entscheidung zugunsten des dänischen Robotik-Spezialisten Universal Robots: „Wir waren begeistert davon, wie einfach der Einstieg in das Thema Roboter sein kann und wie schnell i-botics, ein Distributor von Universal Robots, auf unsere Anfrage reagiert hatte. Wir haben sofort gespürt, dass wir hier auf Augenhöhe kommunizieren.“ Celik weiter: „Daher haben wir bald den ersten kollaborativen Roboter des Typs UR5e erworben, aufgestellt und aufgebaut. Er hat sofort funktioniert.“

Robotergreifer greift Karton
Die Cobots übernehmen Pick-and-Place-Aufgaben in der Verpackung und beladen ein lichttechnisches Messgerät. Bild: Universal Robots

Mittlerweile arbeiten drei dieser kollaborativen Roboter – Bruno beschickt eine lichttechnische Messanlage, Elfriede und Günter erledigen Pick-and-Place-Aufgaben – Seite an Seite und in den Prozessen mit den rund 80 Vema-Mitarbeitern. „Diese Cobots haben sich als echte Bereicherung für unseren Betrieb herausgestellt“, so das vorläufige Automatisierungs-Fazit von Geschäftsführer Veser. Man verfüge nun über Roboter, „die wir uns immer gewünscht haben. Komplett flexibel einsetzbar und nach einer kurzen Einführung durch unsere Maschineneinrichter selbständig programmierbar.“

Über Universal Robots

Universal Robots wurde 2005 gegründet- Ziel des Automatisierungs- und Robotik-Spezialisten ist es Robotertechnologie durch die Entwicklung leichter, benutzerfreundlicher, sicherer sowie preisgünstiger und flexibler Industrieroboter arbeitenden Menschen zugänglich zu machen. Seit der erste Roboter 2008 auf den Markt kam, hat das Unternehmen ein beträchtliches Wachstum erfahren und verkauft seine benutzerfreundlichen Roboterarme mittlerweile weltweit. Universal Robots, dem Unternehmen Teradyne Inc. zugehörig, hat seinen Unternehmenssitz im dänischen Odense und verfügt zudem über regionale Niederlassungen in den USA, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, der Tschechischen Republik, Polen, der Türkei, China, Indien, Singapur, Japan, Südkorea, Taiwan und Mexico. Universal Robots erzielte 2019 einen Umsatz von rund 248 Millionen USD.

Wie die Beschäftigten durch die Roboter-Automatisierung dazulernen

Vema hat durchweg positive Erfahrungen gemacht, weshalb kürzlich ein weiteres Highlight anstand: Der insgesamt 50.000ste von Universal Robots ausgelieferte Cobot geht an Vema, hört auf den Namen Jürgen und kommt demnächst ebenfalls im Pick-and-Place-Prozess zum automatischen Verpacken von Teilen am Ende der Produktionslinie zum Einsatz. „Das ist unser viertes Cobot-System. Wir haben ihn vom damaligen Universal-Robots-Präsidenten Jürgen von Hollen überreicht bekommen und uns deshalb für diesen Vornamen entschieden“, so Geschäftsführer Veser.

Cobot Jürgen überzeugt, nicht anders als Bruno, Elfriede und Günter, durch seine hohe Flexibilität und Anpassbarkeit an die Vema-Prozesse. Denn: Alle Anwendungen hat Vema selbst implementiert und programmiert. Dazu gehören sogar die maßgeschneiderte Greiferwechseleinheit und die Greifer selbst. Veser: „Es war auch Trial-and-Error dabei, aber wir haben extrem viel gelernt, die Digital-Wissensbasis bei unseren Mitarbeitern ständig erweitert und planen jetzt, weitere Produktionsschritte mit Cobots von UR zu automatisieren.“

Zum Thema: Universal Robots neue eSeries und mehr! - Quelle: next Robotics

Roboter: Wie die Automatisierung die Produktivität erhöht

Die Worte des Vema-Geschäftsführers kommen nicht von ungefähr, zieht man die harten Fakten nach rund zwei Jahren Roboter-Automatisierungs-Erfahrung mit ein. So hat nicht nur der Fachkräftemangel seinen Schrecken durch den Einsatz der UR5e-Cobots größtenteils verloren. Auch die Produktivität konnte seit der Einführung der Roboter deutlich zulegen. Die vier Roboter „haben die Fertigung bei uns grundlegend verändert“, erklärt Veser. Dadurch, dass die Cobots an 24 Stunden und sieben Tagen die Woche arbeiten, produziert der schwäbische Mittelständler nun quasi in einer dritten Schicht. „Die Produktivität hat sich um bis zu 30 Prozent erhöht.“

Roboter in Produktion
Günter, Elfriede und Bruno: Die Mitarbeiter haben den Robotern Namen gegeben. Bild: Universal Robots

Zum Anwender: Vema

Seit über 30 Jahren stellen Vema Technische Kunststoffteile und die Vema Werkzeug- und Formenbau Präzisionsteile für die Automobilindustrie her. Der Mittelständler mit Sitz im baden-württembergischen Krauchenwies-Göggingen hat 80 Mitarbeiter und betreut Kunden in den Bereichen Produktentwicklung, Kunststoffverarbeitung, Werkzeugbau und Spritzguss. Neben Formenbau und Spritzteilfertigung hat Vema einen Mess- und Prüfbereich sowie ein Lichtlabor speziell für die optischen Bauteile, die Vema fertigt, installiert. Vema strebt in seinem Arbeiten nach einer konstanten, einwandfreien Produktqualität sowie höchster Präzision.

Aber auch die Qualitätskontrolle hat Bruno, Elfriede, Günter und Jürgen bereits ins Herz geschlossen. Hatten die Qualitätsprüfer früher rund 20 Sekunden für das Prüfen und Verpacken eines Teils wie einer optischen Linse, so kann heute die komplette Zeit für die Prüfung aufgewendet werden. Den Rest erledigen die Cobots. „Wir befanden uns früher in der Situation, dass der Mensch dem Takt der Maschine folgen musste. Lief sie nicht, brauchte man den Menschen nicht, war der Mensch nicht vor Ort, lief die Maschine nicht. Das ist heute - automatisiert mit unseren Robotern - völlig anders.“, gibt der Vema-Chef zu Protokoll.

Für die Zukunft plant der Unternehmenslenker auch schon die nächsten Schritte. Veser schwebt eine Ausweitung der Automatisierung vor, indem er den Cobot-Systemen noch anspruchsvolleres Unternehmens-Know-how vermitteln will. „Wir planen, Arbeitsschritte in der Montage zu automatisieren, um weiteres Wachstum zu generieren und unsere Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Das wäre die Krönung. Und das wird sich früher oder später bewahrheiten.“

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