Grafik Roboter Art

Roboter sind in der Industrie nicht mehr wegzudenken. Nach einer Studie aus dem Jahr 2016 belegt Deutschland mit 309 Robotereinheiten pro 10.000 Mitarbeiter Platz 3 auf der Weltrangliste der größten Roboterdichte. Bild: adobestock/AndSus

| von Ragna Sonderleittner
Aktualisiert am: 02. Dez. 2020

Der weltweite Bestand von Industrierobotern wird sich von 1.059.000 im Jahr 2010 auf 3.971.000 Einheiten im Jahr 2022 fast vervierfacht haben. Gleichzeitig sinken die Preise: Laut einer bei Statista veröffentlichten Preisentwicklungsprognose kostete ein Industrieroboter in den USA im Jahr 2005 noch 182.000 US-Dollar – im Jahr 2025 wird er nur noch 103.000 Dollar kosten – grob überschlagen nur noch etwas mehr als die Hälfte.

Statista Preisentwicklung Roboter Grafik
Die Preisentwicklung für Industrieroboter in den USA in den Jahren 2005 bis 2014 und die Prognosen für die Jahre 2020 und 2025 (Quellen: BCG; IFR; ABB Group). - Grafik: Statista

Für einen ersten Überblick über den großen Markt der Industrierobotik stellen wir Ihnen hier die zehn wichtigsten Hersteller von Industrierobotern vor.

Fanuc - Vom kleinsten bis zum stärksten Roboter der Welt

Mit mehr als 100 Modellen bietet das japanische Unternehmen Fanuc das weltweit größte Sortiment an Robotern, einsetzbar für Entgraten, Schweißen, Pick-and Place, Palettieren, Lackieren, Handling oder Maschinenbeschickung. Weltweit sind über 590.000 Industrieroboter von Fanuc installiert. Die Firma sagt von sich, dass sie sowohl den kleinsten, als auch den größten, nämlich den stärksten Langarmroboter der Welt, im Programm hat.

Die typischerweise gelb gefärbten, Reinraum- und waschbeständigen Roboter seien flexibel einsetzbar, einfach zu integrieren und besonders intuitiv zu bedienen. Fanuc-Roboter gibt es für Nutzlasten bis zu 2,3 Tonnen und Reichweiten bis zu 4,7 Meter. Der Hersteller unterzeichnet immer wieder große Rahmenverträge mit der Automobilindustrie. Im Zuge dessen werden dann neue Produktionslinien und Werke komplett mit Robotik automatisiert.

Fanuc Hand Guidance Function
Programmieren leicht gemacht: Hand Guidance Function von Fanuc. - Bild: Fanuc

Auf der Irex (International Robot Exhibition) in Tokio, der größten Robotermesse der Welt, präsentierten die Japaner den Leichtbau-Roboter CRX 10iA. Dieser begründet eine neue Klasse von Industrierobotern, die Hand in Hand mit Beschäftigten in der Produktion arbeiten. Verglichen mit der bestehenden CR-Serie der kollaborierenden Fanuc-Roboter ist der neue CRX-10iA deutlich leichter und kann daher zum Beispiel auf fahrerlosen Transportsystemen (FTS) zum Einsatz kommen. Dadurch eignet er sich auch für Anwender, die erstmals Automatisierungstechnik in ihrer Produktion verwenden möchten.

Mit der sogenannten 'Hand Guidance Function' kann der Roboter programmiert werden, indem sein Tool Center Point (TCP) - also der Arbeitspunkt des Werkzeugs - per Hand verfahren wird und der Bediener erforderliche Bahn- oder Zielpunkte per Knopfdruck eingibt. Diese Funktion ist für alle Fanuc-Roboter geeignet und für einfache Aufgaben ausreichend. Bei komplexeren Aufgaben greift der Programmierer auf das Handbediengerät iPendant oder den iRProgrammer, eine Programmieroberfläche für Smart Devices, zurück.

Yaskawa – zusammen mit Fanuc weltweit führend

Yaskawa, ebenfalls eine japanische Firma, ist mit weltweit über 400.000 installierten Einheiten einer der größten Hersteller von Industrierobotern. Sie werden unter der Marke Motoman angeboten. Das Unternehmen investiert in den Standort Europa und baute im April 2019 eine neue Roboterfabrik in Slowenien.

Als hybrider Roboter lässt sich der MRK-fähige Motoman HC10 im kollaborativen Betrieb ebenso nutzen wie als vollwertiger Industrieroboter. Jetzt hat der Hersteller die Möglichkeiten für den Einsatz des Roboters mit einem neuen Modell nochmals erweitert: Der HC10DT IP67 ist sowohl staub- als auch wasserdicht. Durch die Ausführung in der Schutzart IP67 kann der 6-Achs-Roboter (serielle Kinematik) selbst in anspruchsvollen Umgebungen genutzt werden, in denen er Schmutz oder Flüssigkeiten ausgesetzt ist.

Yaskawa Motoman HC10DT IP67
Mit dem neuen Motoman HC10DT IP67 stellt Yaskawa eine staub- und wasserdichte Variante des MRK-fähigen Basismodells vor. - Bild: Yaskawa

Als Roboter mit Leistungs- und Kraftbegrenzung kann der HC10DT IP67 gemäß der technischen Spezifikation ISO TS15066 eingesetzt werden. Er benötigt damit keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen.

Für die Programmierung bietet er wahlweise drei sich ergänzende Optionen: Mittels Direct Teach (DT) kann eine Programmierung direkt über den Roboterarm erfolgen. Möglich macht dieses intuitive 'Easy Teaching' eine spezielle Switch Box mit Funktionstasten. Durch die drei am Roboterflansch angebrachten Tasten – Zustimmtaster, Teach-In-Taste und Tool-Taste zum Öffnen und Schließen des Greifers – kann der HC10DT IP67 komfortabel programmiert werden.

Auch das Touchscreen-Programmiergerät Smart Pendant erlaubt Anwendern einfache und schnelle Programmanpassungen. Darüber hinaus ist ein vollwertiges Handbediengerät mit hoher Programmiertiefe für anspruchsvolle Programmieraufgaben verfügbar.

ABB Robotics - Präzision aus der Schweiz

ABB Roboter bei der Arbeit
ABB ist spezialisiert auf Knickarmroboter. - Bild: ABB

Das Schweizer Unternehmen ABB Robotics mit Hauptsitz in Zürich ist ein Komplettanbieter für Maschinen- und Fabrikautomation. Mit über 400.000 installierten Robotern gehört das Unternehmen ebenfalls zu den führenden Anbietern. ABB ist spezialisiert auf Knickarmroboter, Delta-Roboter, Scara-Roboter und Lackierroboter.

Der IRB 2400 von ABB ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Industrieroboter seiner Klasse. ABB bietet wie Fanuc oder Kuka verschiedene Arten von Industrierobotern an, darunter 6-Achs-, Delta-, Lackier- oder Scara-Roboter. Laut eigener Aussage ist ABB das einzige Unternehmen in der Industrieautomation, das die volle Bandbreite an integrierten Hardware- und Softwarelösungen für Steuerung, Aktorik, Robotik, Sensoren, Analyse und Elektrifizierung anbietet.

Im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration bietet ABB das Produkt 'Yumi' an. Er ist für niedrige Traglasten bis 500 Gramm geeignet und wird daher vorrangig in der Elektronikfertigung genutzt. Auch eine zweiarmige Variante ist erhältlich, mit der sich auch komplexere Montageaufgaben erledigen lassen.

Kuka - in Deutschland zuhause

Kuka LBR iiwa
Kuka LBR iiwa: LBR steht für "Leichtbauroboter", iiwa für "intelligent industrial work assistant". - Bild: Kuka

Die ursprünglich deutsche Firma mit Sitz in Augsburg ist seit 2016 im Mehrheitsbesitz des chinesischen Midea-Konzerns. Der Name geht auf die Gründer Hans Keller und Jakob Knappich zurück, die 1898 begannen, Acetylen-Generatoren für die Beleuchtung herzustellen. "Keller und Knappich Augsburg" wurde zu Kuka.

Kuka beansprucht heute bezüglich seiner Industrieroboter die Marktführerschaft in Europa und besitzt auf der ganzen Welt 25 meist vertriebs- und servicekonzentrierte Tochterunternehmen. Das sehr breite Portfolio an typischerweise orange gefärbten Robotern reicht von sehr kompakt bis zum Schwerlastroboter KR 1000 Titan.

Unter anderem bietet Kuka Robotik für die Medizintechnik, die meisten orangenen Industrieroboter arbeiten aber in der Automobilindustrie. Mit weltweit über 300.000 installierten Einheiten ist die Firma ebenfalls ein sehr großer Player auf dem Markt. Mit dem Leichtbauroboter LBR iiwa hat Kuka ein Produkt im Portfolio, mit dem Mensch und Roboter in enger Zusammenarbeit hochsensible Aufgaben lösen können. Schutzzäune sind beim Einsatz dieser Technologie nicht nötig.

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Mitsubishi Electric - hohes Tempo inklusive

Mitsubishi Electric Roboter im Einsatz
Vom einfachen Schutzzaun bis zum kollaborierenden System: Safety ist in Abstufungen möglich. Hier arbeiten Mitsubishi-Roboter hinter Glaswänden. - Bild: Mitsubishi Electric

Die japanische Firma mit Sitz in Tokio stellt unterschiedliche elektrische und elektronische Produkte und Systeme her. Das Spektrum bei den Robotern umfasst universell einsetzbare Knickarm-Roboter mit sechs Achsen von zwei bis 20 Kilogramm Traglast sowie Scara-Roboter mit vier Achsen von drei bis 70 Kilogramm Traglast für Montage- und Palettieraufgaben.

Eine besondere Entwicklung sind die Präzisionsroboter mit ihrer Parallelarmstruktur für sehr schnelle Mikrohandlingsaufgaben von einem bis fünf Kilogramm Traglast. Aber auch ein Cobot mit fünf Kilogramm Traglast gehört zum Produktportfolio. Er zeichnet sich ebenfalls durch eine hohe Wiederholgenauigkeit aus. Mitsubishi ist mit 120.000 installierten Einheiten im guten Mittelfeld. 

Denso - Automatisierung für Automotive

Denso Roboter
Die kompakten Roboter von Denso werden für Pick-and-Place-Anwendungen genutzt. - Bild: Nördinger

Der japanische Automobilzulieferer Denso Corporation, eines der 500 weltweit größten Unternehmen, bietet über seine Tochterfirma Denso Robotics Industrieroboter und Spezialelektronik für die Automation in der Fertigung an. Er bezeichnet sich als Marktführer im Bereich kleiner Industrieroboter mit weltweit über 120.000 installierten Einheiten - von denen 20.000 in seinen eigenen Produktionsanlagen eingesetzt werden.

Die Produktpalette des Unternehmens reicht von 4-Achs-Robotern (Scaras) zu 5- und 6-Achs-Robotern. Für verschiedenste Aufgaben ist also die richtige Kinematik erhältlich. Die kompakten Roboter werden für Pick-and-Place-Anwendungen genutzt, aber auch in der Montage, zum Kleben, Dosieren, Schrauben oder Polieren. Auch ein Modell für die Mensch-Roboter-Kollaboration ist Teil des Produktportfolios.

Epson - nicht nur Drucker

Epson Scara T6
Epson Scara T6, ein Einstiegsmodell des Scara-Portfolios mit einer Tragkraft von sechs kg, geeignet für einfache Bestückungsanwendungen und in Bereichen, in denen bislang Linearsysteme eingesetzt werden/wurden. - Bild: Epson

Das japanische Unternehmen Epson ist im Consumer-Bereich vor allem durch seine Drucker, Scanner und Kameras bekannt. Seit 1980 stellt Epson Industrieroboter her und zählt sich selbst zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Ein Schwerpunkt des Portfolios liegt bei den sogenannten Scara-Robotern.

Scara steht dabei für Selective Compliance Assembly Robot Arm. Das ist ein besonderer Typ Industrieroboter, dessen Aufbau einem menschlichen Arm ähnelt und der daher auch als 'horizontaler Gelenkarmroboter' bezeichnet wird.

Omron - intelligent und kollaborativ

Messe HMI Tischtennis mit einem Omron Roboter
Eröffnungsrundgang der Hannover Messe am Montag, 01. April 2019 mit H.E. Stefan Löfven, Ministerpräsident Schwedens und Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. - Bild: Hannover Messe

Die Omron K-K- ist ein Unternehmen aus Japan, das in den Geschäftsfeldern Industrieautomation, elektronische Komponenten und Medizintechnik zuhause ist. Im Portfolio finden sich Industrieroboter, Mobile-, Linear- und kollaborative Roboter. Wie ernst Omron den kollaborativen Aspekt dabei nimmt und wie weit seine Produkte bereits in diese Richtung entwickelt wurden, konnte das Publikum der vergangenen Hannover Messe, unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, bewundern.

Der Hattorfer Tischtennis-Spieler Leon Hintze trat als Vertreter des Deutschen Tischtennisbundes gegen den Tischtennis-Roboter "Forpheus" der Firma Omron an. Mit mehreren Sensoren konnte der Roboter sowohl die Position des Gegners wie auch die Ballbewegung messen und mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Flugbahn des Balles berechnen und den Tischtennisball zurückspielen.

Im Bereich der Cobots kooperiert Omron außerdem mit dem taiwanesischen Hersteller 'Techman Robot'. 

Stäubli - extremes Hochgeschwindigkeitspicking

Stäubli Helmo
Das mobile Robotersystem Helmo von Stäubli ist ein autonom fahrender und navigierender Roboter. - Bild: Nördinger

Stäubli ist ein international tätiger Schweizer Technologiekonzern, der Textilmaschinen, Schnellkupplungssysteme und Industrieroboter herstellt. Das Spektrum reicht bei letzteren von Scara, 6-Arm-Industrieroboterarmen und Cobots bis zu mobilen Robotersystemen. Die Einsatzgebiete sind im Automobil- sowie der Metall- Porzellan- und der Lebensmittelindustrie zu finden.

Mit dem Fastpicker TP80 stellt Stäubli nach eigenen Angaben den weltweit einzigen Clean-Picker her. Es ist ein extremer Hochgeschwindigkeitsroboter von 200 Picks pro Minute im fortwährenden Einsatz. Außerdem hat das Unternehmen das mobile Robotersystem Helmo entwickelt - ein autonom fahrendes und navigierendes Robotersystem, das für die Mensch-Roboter-Kollaboration geeignet ist.

Universal Robots (UR) - die Pioniere der kollaborativen Robotik

UR-Roboterarm UR3
Der Universal Robots UR3e ist ein kleinerer kollaborierender Tischroboter, hier seitlich an die Wand montiert - perfekt für leichte Montageaufgaben und automatisierte Werkbankszenarios. - Bild: Universal Robots

Der dänische Hersteller von Robotern hat den Status eines Start-ups längst verlassen, ist aber mit seiner Gründung im Jahr 2005 immer noch ein eher junges Unternehmen auf dem Markt. Im Jahr 2015 wurde Universal Robots (UR) von dem US-Konzern Teradyne übernommen.

UR stellt in erster Linie leichte Roboter her: Die erste Cobot Produktreihe besteht aus drei Cobots, dem UR3, dem UR5 und dem UR10 mit Hubkräften von 3, 5 und 10 Kilogramm. Alle drei sind sechsgelenkige Roboterarme mit einem Gewicht von 11, 18 und 28 Kilogramm – also echte Leichtbaugeräte.

Einer Anforderung aus dem Markt folgend gibt es seit der Motek 2019 nun auch einen Roboter mit 16 Kilogramm Traglast. Das besondere der UR-Roboter war von Anfang an, dass es kollaborierende Roboter waren, also solche, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten – ganz ohne Schutzzaun.

Der erste Cobot der Firma wurden in einem Raum an der Universität in Odense, Dänemark, entwickelt. Zu Beginn wurde die Technik der kollaborierenden Roboter von den etablierten Roboterherstellern belächelt. Doch schnell wurde klar, dass die Cobots von UR ganz neue Applikationen ermöglichen und den Automatisierungsgrad auch in kleinen Unternehmen erhöhen können. Heute ist Universal Robots Marktführer in der Cobot Branche.

Welche Cobots sich außerdem für kleinere Industriebetriebe und Handwerker eignen, lesen Sie hier!

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